Berichte

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So wirklich erholt fühle ich mich am nächsten Morgen nicht und mein Kopf ist auch nicht begeistert vom gestrigen Ausflug in Gliwicer Kneipen. Da hilft nur ein anständiges Frühstück und das kann sich wirklich sehen lassen. Meine potentielle Mitfahrgelegenheit zum Spiel morgens in Bytom hat sich dann wieder erledigt und so bleibt noch ein bisschen mehr Zeit im Hotel.
Gegen Mittag ist dann aber die Zeit zum Abschied gekommen und diesmal hab ich eine kompetente Rezeptionsdame erwischt, denn es gibt doch eine Bushaltestelle in der Nähe. Leider stellt sich dort angekommen heraus, dass der Bus Sonntags natürlich nicht fährt und so bleibt wieder einmal nur der Fußbus. Gar nicht so einfach sich durch die Baustelle rings um den Bahnhof zu eben diesem durchzuschlagen, aber schlussendlich hab ich meinen Zug erreicht. Eine Runde Mittagsschlaf wäre jetzt wunderschön, aber so lang ist die Fahrt nach Chorzow leider nicht. Im wohl ältestens Zug Polens - zumindest vom Typ her - war es schon eine Kunst, am richtigen Bahnhof auszusteigen. Zudem hatte mich die Nachricht erreicht, dass das Spiel ausverkauft sei und somit die Option Ticket kaufen ausfiel, falls mit der Akkreditierung etwas nicht geklappt haben sollte.
Trotzdem geht's hoch motiviert aus dem Bahnhof raus und mitten zwischen unsympatisch aussehende Bullen. Ob das damals in Ostrava ählich ausgesehn hat? Auf jeden Fall hab ich keine Lust auf Gummigeschosse und dreh einen kleinen Bogen, bis von oben aus einem Zug eine Flasche kurz neben mir landet. Da ist dann wohl Legia angekommen. Also den Bogen auch um den Zug ausweiten und dabei den motivierten Heimfans ausweichen. Die interessieren sich glücklicherweise nicht für mich und so erreiche ich schließlich das Stadion. Nachdem ich mich bei einigen Ordnern durchgefragt hatte, half mir ein netter Pole weiter und so suchen wir zu zweit weiter nach unseren Akkreditierungen. Ein bisschen hin und her später hat das dann auch geklappt und das Stadion kann geentert werden.

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Schöner alter Ground mit durchaus ungewöhnlichen Flutlichtmasten, dazu ein voller Gästeblock und auch die Heimkurve füllt sich stetig. Was will das Hopperherz mehr? Fasziniert wird erstmal eine Runde um den Ground gedreht und die optimale Fotoposition ausgecheckt. Währenddessen wird am Pufferblock schon ein bisschen gepöbelt und zwischen beiden Seiten hat sich eine ganze Menge Behelmter eingefunden. Draußen war zuvor auch kurz mal der Wasserwerfer in Action. Dabei bleibt es aber dann aber auch.


Der heutige Tag steht in Chorzów ganz im Rahmen von Geschichte und Tradition, denn das Stadion feiert heute seinen 80. Geburtstag. Im und um das Stadion sind die 14 Meistermannschaften sowie einzelne berühmte Spieler und wichtige geschichtliche Ereignisse ausgestellt. Dazu wird heute die alte OMEGA-Anzeigentafel aus Vorkriegszeiten wieder im Stadion stehen. Auf der Suche nach meiner Fotoweste war es zunächst in die Geschäftsstelle gegangen, wo uns der Mann begegnete, der in dritter Generation die OMEGA-Uhr wartet. Neben ihm der große Zeiger, den er inzwischen bereits angebracht hat.


Zum Einlaufen der Mannschaften gibt es im gesamten Stadion ein Intro mit blauen und gelben Zetteln. Zudem werden heute sämtliche Ansagen im Stadion im schlesischen Dialekt vorgenommen und auf Polnisch übersetzt. Abgerundet wird das Ganze von Hostessen in schlesischen Uniformen und einer Kapelle. Selbst die Trikots sind heute nicht einfach blau wie gewohnt, sondern die Mannschaft läuft in den schlesischen Farben blau und gelb auf.


Nur wenige Augenblicke nach dem Anpfiff haben dann aber die vom ganzen Trubel unbeirrten Gäste Grund zu feiern, denn Legia geht blitzschnell in Führung. Doch es soll noch dicker kommen und bereits nach 12 Minuten steht es 0:3 für Legia. Erst nach dieser anfänglichen Schlafphase wagen sich auch die Hausherren langsam aus ihrer Hälfte. Knapp 10 Minuten später muss dann auch der Gästekeeper das erste Mal hinter sich greifen.


Der Stimmung im Gästeblock, vor welchem ich mich im ersten Durchgang platziert habe, tut der Spielverlauf natürlich gut und so gibt der überwiegend in weiß gekleidete Block ordentlich Gas. Die meisten Lieder werden nicht sehr lange durchgezogen, aber der Capo ist stets hinterher, umgehend etwas Neues anzustimmen. Natürlich wird auch mal über den Pufferblock hinweg in Richtung der Heimfans gepöbelt, aber ansonsten bleibt es ruhig. Einige suchen sich auf Dixiklos und der Anzeigentafel einen etwas erhöhten Ausblick, während letztere auch ordentlich mit Aufklebern geschmückt wird.

Den zweiten Durchgang verfolge ich nun vor der Heimkurve, die trotz Rückstand ihre Mannschaft weiter anfeuert. Leider bin ich absolut kein Fan von Mikrofonen und dicken Boxen im Fanblock, die hier zum Einsatz kommen. Da hört man den Capo alleine wohl lauter als den gesamten Block. Vielleicht ist es aber auch die einzige Möglichkeit, auch den zweiten Block in der Kurve mit einzubeziehen, denn der stimmt ganz gerne mal in die Gesänge mit ein.


Erst gegen Ende der Partie, wird eine große Blockfahne präsentiert, die den oberschlesischen Adler und das Vereinswappen zeigt. Würde darauf nicht eine ordentliche Pyroshow folgen, müsste man wohl in Frage stellen, wirklich in Polen gelandet zu sein. Nach einigen Minuten ging die Blockfahne zurück und das Zischen der Bengalen war zu vernehmen. Ein gelungener Höhepunkt für die Partie und auch wenn auf dem Platz inzwischen der vierte Treffer für Legia gefallen ist, wird die Mannschaft weiter nach vorne gepeitscht. Zum Abschluss wird die Fahne erneut über den Block gezogen - abgesehen vom praktischen Nutzen auch einfach ein schöner Abschluss der Choreo. Kurz vor Ende der Partie wird auch hier noch das Islamthema aufgegriffen.

Sieg hin oder her, nach Abpfiff dürfen sich beide Mannschaften feiern lassen. Nach dem Spiel geht es dann irgendwann zurück nach Katowice, wo am Bahnhof noch eine kleine Überraschung wartet. Die Herrschaften mit Helm und Knüppel kommen etwa zeitgleich mit unserem Taxi dort an und platzieren sich auf dem Gleis, um den Zug der Legiafans zu empfangen. Am Ende aber nicht sehr spektakulär, da Legia im selben Zug bleibt und sich auch keiner von den paar Jungschen auf dem Gleis nebenan provozieren lässt.
Ich verbring die kommenden Stunden bis zur Abfahrt meines Nachtbusses in einer Gaststätte bei einem guten schlesischen Essen und mindestens ebensogutem polnischem Bier. Beinahe hätte ich dann noch meinen Bus verpasst, aber glücklicherweise war das letzte Bierchen nicht zu weit vom Busbahnhof entfernt und der Weg inzwischen gut bekannt.
Erschöpft galt es nun etwas Schlaf zu ergattern, was auch erstaunlich gut gelang. Irgendwann hält der Bus erneut und irgendjemand quatscht mich voll. Wird wohl wieder voll werden im Bus und jemand sich hier dazu setzen wollen, denk ich mir, während ich mich aufsetze und die beiden Polizisten vor mir verschlafen anstarre. Bitte was? Ich versteh kein Wort. Ach meinen Ausweis? - Dann sind die beiden zufrieden und ziehen weiter. Definitiv ohne Flüchtlinge an Bord geht es nun endgültig weiter nach Berlin und schließlich auch zurück in die Heimat.