Berichte

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Allen Befürchtungen zum Trotz, scheint es das Normalste auf der Welt zu sein, in Bukarest Tickets für den Nachtzug nach Moldawien zu kaufen. Für umgerechnet etwa 50€ pro Person gibt es die Tickets für beide Strecken inklusive Reservierung im Schlafwagen. So bleiben uns noch vier Stunden in der rumänischen Hauptstadt, die wir für die Verkostung eines rumänischen Döners nutzen - lecker!
Aufgeregt wie ein kleines Kind geht es weiter zum Bahnsteig, wo schließlich unser Nachtzug bereitgestellt wird. Offensichtlich ist es ein moldawischer Zug, der für jeden Wagon einen eigenen Zugbegleiter hat. Unser scheint etwas grimmig zu sein und starrt immer wieder auf die Reservierung - für die Hinfahrt stammt diese von einem deutschen Bahnschalter. Deutsch?! brummt er in unsere Richtung - ja.. - damit scheint er erstmal zufrieden zu sein.

Bei der ersten Erkundung des Zuges erwartet uns eine pure Sauna, wobei es nicht möglich ist, auch nur ein einziges Fenster zu öffnen. Der Gang ist mit Teppichen ausgelegt und überall sind goldene Gardienen angebracht. Im Abteil finden wir dann vier Lederbänke vor mit jeweils einer Auflage, Kopfkissen und einer wärmeren Decke. Dazu gibt es später vom Zugbegleiter noch ein Packet mit Bettwäsche und Handtuch. Highlight ist schließlich die Entdeckung des kleinen Schildes, welches die Herkunft des Zuges kennzeichnet: VEB Waggonbau Ammendorf, Deutsche Demokratische Republik.

Mit der Zeit greift die Lüftung und die Temperaturen werden angenehm im Zug. Gegen 4 Uhr morgens erreichen wir schließlich die Grenze, zunächst auf rumänischer Seite. Guns, Drugs?! witzelt der Zollbeamte, wirft einen Blick auf die über seinen Köpfen verstauten Koffer. Maybe Beer? Darauf lacht er nur und zieht weiter zum nächsten Abteil. Es folgt noch eine Passkontrolle, bevor wir einige Meter weiter zur moldawischen Grenzkontrolle rollen.
Hier ist der Grenzkontrolleur heute ziemlich genervt, da offensichtlich sein Windows-Laptop gerade neustartet. In nicht besonders gutem Englisch stellt er uns in der Zwischenzeit also munter Fragen, die wir oft erst auf nochmalige Nachfrage verstehen. Schließlich werden wir angefahren, ob wir wirklich Englisch verstünden. Welches Hotel? Wie lange bleibt ihr? Und, die wichtigste aller Fragen: Was ist der Grund für eure Reise? - Fußball! Völlig entnervt verteilt er nun seine Stämpel in den Pässen. Einer unserer Mitfahrer muss dann den Grund für seine vorherige Reise nach Russland angeben, worauf die Antwort abermals Fußball lautet. Football, Football.. Kopfschüttelnd reicht er uns unsere Pässe und zieht weiter.

Einen Achsenwechsel und ein paar Stunden später erreichen wir pünktlich Chișinău, wo wir unsere Sachen im Hotel abliefern, uns eine Dusche gönnen und schließlich die Stadt erkunden. Auffällig ist bereits bei Ankunft am Bahnhof die unzählige Menge an Straßenverkäufern, durch die man sich zu kämpfen hat - glücklicherweise ohne dabei penetrant von jedem angesprochen zu werden. Viele Häuser wirken schon ziemlich heruntergekommen und Straßen und Gehwege sind teilweise einfach mit gröberem Kies aufgeschüttet worden. Dennoch ist die Stadt sehr aktiv und man kann nicht behaupten, dass wir uns unwohl gefühlt hätten. In einem kleinen Cafe gibt es ein kleines Mittagessen mit Chișinău-Bier, welches wir zum besten Bier der Fahrt erklären.

Anschließend bringt uns der Fahrer des Hotels zum etwas außerhalb von Chișinău gelegenen Spielort, wo sich auch tatsächlich zwei Mannschaften aufwärmen. Wir hatten schon etwas Sorge, da wir inzwischen drei verschiedene Adressen zur Auswahl gehabt hatten. Die Recherche der Hotel-Rezeptionistin erwies sich aber nun glücklicherweise als korrekt.

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Der Platz hat inzwischen keine Holzbänke mehr, wie zuvor auf Bildern gesehen, sondern drei Reihen mit roten Sitzschalen. Zu unserer Überraschung vernehmen wir bereits beim Betreten Trommelgeräusche, die von den etwa 20 mitgereisten Gästefans stammen. Mit Getränken und einem Eis kann man sich im nahegelegenen Mini-Supermarkt eindecken, wobei beides zusammen etwa 50 Cent kostet.

Der Kick selbst ist dann ziemlich unspektakulär. Beide Mannschaften spielen jetzt nicht unbedingt den ansehnlichsten Fußball, wobei aber schnell klar wird, dass höchstens die Gäste hier für ein Tor gut sein könnten. Etwa in der 60. Minute diskutieren wir dann gerade, ob wir um 10 Gerümpel auf das Ergebnis wetten wollen, als plötzlich ein Freistoß der Gäste im Tor landet. Damit ist die Partie bereits entschieden, denn die Abschlüsse der Hausherren sind nicht sehr zielsicher. Überraschend ist dagegen, dass den Gästen noch ein weiterer Treffer gelingt, da die Partie den Charakter eines typischen 0:0s aufweist.

Die Gästefans sorgen derweil für etwas Stimmung und ziehen ihren Support 90 Minuten durch. Mit zwei großen Fahnen und zwei Bannern ergab das optisch schon ein nettes Bild, was wir in Moldawien so nicht erwartet hätten. Nach Abpfiff wird dann noch für 2 Minuten die Mannschaft mit einer Laola gefeiert und abgeklatscht, bevor diese in dem kleinen Häuschen in der Mitte der Tribüne verschwindet.

Den restlichen Abend verbringen wir bei ein paar Bierchen im Hotel, da ein paar unserer Mitreisenden wohl nicht genug Schlaf im Nachtzug oder zu wenig Kaffee den Tag über hatten. Schade, denn das Chișinăuer Nachtleben wollten wir eigentlich nicht verpassen. Für das Weinfest sind wir allerdings eh einen Tag zu früh angereist und so bleibt uns nur, diesem folgenden Nachmittag noch einen Besuch abzustatten, bevor es mit dem Nachtzug zurück nach Bukarest geht.

Nachtrag:
Da unser letzter geplanter Kick leider ausfallen musste, gibt es die kleinen Anekdoten der letzten Tage nur persönlich zu hören. Fakt ist jedoch, dass wir in Bukarest in ein paar Stunden mit dem Fußbus Kilometer im zweistelligen Bereich geschrubbt und noch jede Menge gesehen haben. Gerade die vielen Grünflächen hinterlassen einen positiven Eindruck der Stadt, die bei der bloßen Durchreise doch recht trist gewirkt hatte. Mal sehen, wann es uns das nächste Mal dort runter verschlägt.. jetzt freuen wir uns aber erst einmal auf unsere heiß geliebte Hansestadt, die schon viel zu lange auf uns verzichten musste.