Berichte

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Legia gegen Lech - da fällt einem momentan wohl als Erstes das vergangene Pokalfinale ein, bei welchem sich die sonst weiße Legia-Kurve eindrucksvoll in tiefschwarzen Rauch hüllte. Etwas wehleidig wünscht man sich, man hätte damals selbst mit Gänsehaut vor der Kurve gestanden und dieses Spektakel erlebt. Zeit also, einem direkten Duell dieser beiden Fanszenen endlich einmal selbst beizuwohnen. Da ich bereits vor zwei Jahren Lech einen Besuch abgestattet hatte, war bereits vor der Saison klar, dass es mich diesmal nach Warschau ziehen sollte. Allerdings stand das Gerücht im Raum, dass aufgrund des Pokalfinales die nächste Zeit keine Gäste zugelassen seinen, wenn diese beiden Teams gegeneinander spielen. Ein fader Beigeschmack, der einige potentielle Mitfahrer abschrecken sollte.

Etwas kompliziert gestaltete sich bereits einige Tage vor dem Spiel die Organisation der Tickets, da man online nur mit polnischem Pass bestellen kann und auch der Fan-Service nach mehrmaliger Nachfrage nur den Ratschlag geben konnte, man solle jemanden mit einer Ausweiskopie losschicken, der vor Ort ist. Schließlich rettete uns wieder einmal eine der gängigen Groundhopping-Plattformen, wo sich ein netter junger Warschauer bereit erklärte, für uns zum Ticketschalter zu gehen. Erleichtert konnten wir somit am frühen Freitag Abend die Busfahrt in die polnische Hauptstadt antreten.

Weniger freundlich empfing uns dann das Wetter in Warschau, denn es regnete den geśamten Vormittag. Glücklicherweise konnten wir im Hotel aber einfach mal 8 Stunden früher einchecken und uns noch ein paar Minuten Schlaf gönnen. Trotz Regen erkundeten wir dann noch ein wenig die Stadt, bevor wir uns mit unserem Retter in der Altstadt noch ein Bierchen gönnten. Dann wurde es Zeit fürs Spiel und so legten wir noch einige Kilometer zu Fuß zurück, bevor es - inzwischen ohne Wasser von oben - endlich rein gehen konnte.

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Bereits vor dem Betreten des Innenraums kann man ein bisschen die Atmosphäre im Inneren erahnen. Ein paar Meter weiter steht man dann vor einer wirklich beeindruckenden Kulisse und der prall gefüllten Kurve von Legia. Während der Blick durch das Stadion schweift, fällt plötzlich der Gästeblock ins Auge, denn auch dieser ist - entgegengesetzt aller Befürchtungen - bereits gut gefüllt. Viel Zeit ist nicht mehr bis zum Anpfiff und so gehen wenig später im gesamten Stadion die Schals für die Hymne nach oben. Bis heute hatte ich Legia immer nur Auswärts erlebt, ohne dabei enttäuscht worden zu sein, heute gibt es also gleich eine kleine Kostprobe dessen, was diese Masse abliefern kann.

Die Mannschaften sind auf dem Platz und es kann losgehen. Ich platziere mich vor der Legia-Kurve und muss mich etwas zusammenreißen, das fotografieren nicht zu vergessen. Da sind wenig Schlaf, 12 Stunden Busfahrt und die Kälte schnell vergessen.
Auf ein Intro verzichten heute beide Fanlager. Trotzdem ist die Stimmung - wie mein Begleiter sagen würde: Granate! Es ist schwer abzuschätzen, wie viele Fans sich hier wirklich am Support beteiligen. Die gesamte Hintertortribüne über beide Ränge ist immer in Bewegung und nimmt teilweise noch die halbe Gegengerade mit, denn auch hier wird das gesamte Spiel über gestanden. Da ist es schon schwer, mit dem Gästeblock auch nur im Ansatz anzukommen. Dennoch geben natürlich auch die Kolejorz alles, um ihre Mannschaft nach vorne zu peitschen, die etwas besser in die Saison gestartet ist und im Moment auf dem 6. Platz steht.

Legia dagegen ist nach dem Gewinn des Doubles in der Vorsaison auf dem 13. Platz und konnte auch International diese Saison abgesehen von Negativschlagzeilen noch nichts reißen. Aktuell steht nach den Ausschreitungen in Madrid wohl ein mehrjähriger Ausschluss aus internationalen Wettbewerben im Raum. Wie unser polnischer Freund berichtete, sei vom Verein die gute Stimmung inklusive Pyro geduldet, wenn nicht sogar erwünscht. Wie sich dieses Verhältnis nach diesen Vorfällen entwickeln wird, bleibt abzuwarten.
Auf dem Rasen jedenfalls macht Legia heute eine gute Figur und kann sich die eine oder andere Chance erspielen. Im ersten Durchgang befinden sich beide Teams ungeachtet der Ausgangssituation auf Augenhöhe, wenn auch beide noch keine Torerfolge erzielen können.

Nach dem Seitenwechsel gelingt Legia nach einem Konter der Führungstreffer, was natürlich die Stimmung im Gästeblock etwas drückt. Dennoch wird dort jetzt doch noch eine Choreo vorbereitet. Mit Doppelhaltern und einem Spruchband vorne am Zaun wird eine große Blockfahne eingerahmt. Wie erwartet folgen auf die Blockfahne einige Fackeln und nachdem es vorher etwas ruhiger geworden war, kam der Block auch wieder richtig in Schwung. Dabei steht den Jungs das eigentliche Wechselbad der Gefühle erst noch bevor.

In der 90. Minute gibt es in der wohl bereits verloren geglaubten Partie den Elfmeter zum Ausgleich für Lech. Während die Heimkurve den Schock erst einmal verdauen muss, gibt es im Gästeblock kein halten mehr. Schnell wird aus Freude aber schon wieder Wut, denn als einer der Spieler von Lech im Jubeln den Ball aus dem Netz fischen will, verpasst ihm der Keeper kurzerhand einen Tritt, worauf ein wildes Handgemänge auf dem Platz entsteht.
Den Ausgleich in der 90., was gibt es Schöneres? Richtig, den Siegtreffer in der Nachspielzeit... Nur zwei Minuten später jubelt diesmal Legia, denn der Ball zappelt erneut im Netz. Doppelt bitter für die Gäste, da der Torschütze im Abseits stand.

Vor der Heimkurve darf sich nun die Mannschaft feiern lassen, während sich das Stadion ansonsten recht schnell leert. Auch für uns geht es nun schnell zurück ins Hotel, um den Abend bei einem Bierchen ausklingen zu lassen. Schließlich erwartet uns am nächsten Tag noch eine lange Rückfahrt, bevor wir spät Abends wieder im heimischen Rostock vor Anker gehen werden.