Berichte

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Die erste Fahrt des Jahres ist gut überstanden, da steht auch schon die Fahrt aufs Dorf - nach Großaspach - an. Nicht unbedingt eines der spektakulärsten Ziele in Liga 3 und auch die Erwartung ist nach dem unterdurchschnittlichen Start ins neue Jahr gering. Dennoch geht es bereits am frühen Morgen mit dem Auto auf die Reise.
Nachdem der Winter uns unterwegs seine schneebedeckten Landschaften präsentiert hatte, erreichen wir bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen das heutige Tagesziel - alleine für diesen netten Frühlingstag hat sich die Reise schon gelohnt. Trotz Entfernung und der sportlichen Leistung füllt sich der Gästeblock gut und auf Heimseite wächst mal wieder die Nervosität.
Im Vorfeld der Partie erreichte uns die kuriose Nachricht, im Gästeblock würde während der Partie kein Klopapier bereitstehen. An dieser Stelle muss man sich einmal die imense Belastung vorstellen, welcher sich der gastgebende Dorf-Verein regelmäßig ausgesetzt sieht: Jedes zweite Wochenende pilgern tausende von gegnerischen Fans nach Großaspach, wodurch die Bevölkerungszahl sich kurzzeitig beinahe verdoppelt. Selbstverständlich kann dabei nicht immer für alle genug Klopapier vorhanden sein - da fühlt sich der gemeine Rostocker natürlich gleich verpflichtet, bei der Überbrückung dieses Engpasses mitzuhelfen. Dieses Engagement weiß der Ordnungsdienst zu schätzen und sortiert dankbar einen gewissen Prozentsatz für die heimische Bevölkerung heraus.

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Die letzten Minuten bis zum Anpfiff verbringe ich schließlich im Gästeblock, um mir selbst ein Bild von der Lage zu machen. Insgesamt wirkt die Stimmung an diesem Spieltag sehr entspannt und das gute Wetter tut sein übriges dazu. Diese ländliche Idylle hat eben einfach eine beruhigende Wirkung. Selbst die Polizei hat heute ein paar Ponys aus dem Streichelzoo mitgebracht.
Irgendeine Bestie muss aber wohl in den Wäldern auf unachtsame Gästefans warten, denn während die meisten Rostocker gut behütet hinter hohen Zäunen im Gästeblock stehen, bekomme ich im Innenraum des Stadions eine persönliche Leibwache zur Seite gestellt, die sich um mein Wohlergehen zu sorgen scheint und mir wie ein Schatten folgt. Ob unter diesen Umständen ein friedliches Fußballspiel ausgetragen werden kann?

Unsere Jungs stellen sich auf jeden Fall mutig der Gefahr und finden auch gut in die Partie. Mitte der ersten Halbzeit ist Quiring gerade mit dem Ball in Richtung des Aspacher Tors unterwegs, als ein Spieler der Heimmannschaft ihn völlig panisch zu Fall bringt. Was er da wohl gesehen hat? - Zumindest der Schiedsrichter hat dafür kein Verständnis und verweist den armen Kerl vom Platz. Unbeirrt bringt Holthaus derweil den Ball aufs Tor, den der Keeper aber abwehren kann. Dabei landet der Ball vor den Füßen von Benyamina, der ihn über die Linie schiebt.
Im sicheren Gästeblock ist die Freude unbeschreiblich, doch es wird weiter versucht, den Jungs mit Gesängen Mut zu machen. Noch ist die Schlacht nicht geschlagen...

In Unterzahl haben sich die Gastgeber etwas zurückgezogen und können das Ergebnis bis zur Pause halten. Durch diese Taktik gelingt es ihnen, kurz nach der Pause völlig überraschend vor dem Rostocker Tor aufzuschlagen und einfach den Ball über die Linie zu bringen, sodass jetzt auf der Anzeigetafel Dorf 1 - Gast 1 zu lesen ist. Mit diesem Blitzschlag hat im Rostocker Team keiner gerechnet und irgendwie ist danach auch die Luft raus. Es dauert eine ganze Weile, bis der Schock einigermaßen verdaut ist, aber die folgenden Angriffe bringen nichts zählbares mehr ein.

Im Gästeblock wird weiter bis zum Ende Gas gegeben. Mit Gesängen wie wir sind nur zum Scheißen hier! und der Präsentation einiger Blätter Klopapier wird dabei immer wieder auf die Missstände in dieser ländlichen Gegend aufmerksam gemacht. Schließlich ist zu einer solchen Drittligapartie das mediale Auge mal auf dieses Gebiet gerichtet und so könnten diese Missstände vielleicht auch endlich mal behoben werden.
Nach dem Spiel sichert die Polizei die Abreise der mitgereisten Rostocker, damit sie nicht auf offener Flur doch noch von einem Ungeheuer angegriffen werden. Auch wir schaffen es schließlich unbeschadet bis zur Autobahn und können sichtlich entspannt die Heimreise antreten.
Wie lange man wohl in Großaspach die Sicherheitsmaßnahmen noch auf Kosten der Gästefans rechtfertigen kann? Vor zwei Jahren war die Welt hier noch in Ordnung, heute stellt sich die Frage, ob diese Monster vielleicht nur mit Klopapier zu besänftigen sind? Irgendwann kommt die Wahrheit sicher ans Licht...