Berichte

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Zwei Besuche bei den Kolejorz hab ich bereits hinter mir und obwohl das Stadion nie voll war, hat mich die Stadt irgendwie in ihren Bann gezogen. Selbstverständlich kann man sich eine Partie wie die gegen Legia da nicht entgehen lassen und so wurden bereits frühzeitig Pläne geschmiedet. Mit großem Andrang hatte man natürlich gerechnet, nicht aber mit einem ausverkauften Stadion nach nicht einmal 3 Stunden im freien Verkauf. Somit hatte sich die Partie für die Autobesatzung aus Rostock schnell erledigt und für mich hieß es hoffen, dass die Akkreditierung genehmigt wird. Tatsächlich kam die lang ersehnte Mail bereits fast eine Woche vor dem Spiel und man kann sich vielleicht vorstellen, wie ich vor Freude im Dreieck gesprungen bin.

Hoch motiviert beginnt also am frühen Samstag morgen für mich ein langes Wochenende mit vorprogrammiertem Schlafmangel am Rostocker Busbahnhof. Die Stunden vergehen wie im Flug, denn jetzt ist die richtige Zeitpunkt, doch noch ein wenig zu schlafen. In Poznań erwartet mich dann bereits einer meiner polnischen Freunde, mit dem nach dem Check-In im Hostel die üblichen Kneipen unsicher gemacht werden. Einige Biere später, bin ich am nächsten Morgen froh, dass der Rezeptionist mir eine Gnadenfrist von 4 Stunden für den Check-Out eingeräumt hat. Dennoch ziemlich fertig gibt es ein kurzes Frühstück in der Stadt, bevor das Gepäck am Bahnhof zwischengeparkt wird und es mit der völlig überfüllten Straßenbahn zum Stadion geht. Sonne ist ja was feines, aber nach einer durchzechten Nacht tut sie den müden Augen nicht besonders gut.

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Am Stadion steigt dann aber wieder die Vorfreude, denn am Gästeblock steht jede Menge Polizei - das kann nur heißen, dass Legia da ist - in Polen weiß man ja nie, ob die Gäste nun reisen dürfen oder nicht. Mit dem ersten Schritt hinein ist die Müdigkeit dann wie weggefegt - im Gegenteil, obwohl eine Stunde vor Anpfiff das Stadion erst mäßig gefüllt ist, bildet sich bereits die erste Gänsehaut. Egal was heute noch kommen mag, die Reise hat sich mehr als gelohnt. In der Heimkurve machen sich die Kolejorz bereits mit ein paar Gesängen warm, während sich auch die Gästekurve langsam füllt.

Ganz klassisch werden auch heute die Mannschaften mit der Hymne und einer Schalparade des gesamten Stadions begrüßt, was bei dieser Kulisse schon ordentlich Eindruck macht. Dennoch positioniere ich mich für die erste Halbzeit am Gästeblock, denn aufgrund der Ereignisse des letzten Pokalfinales wird Lech heute wohl die Füße still halten, um auch in diesem Jahr anreisen zu dürfen. Schließlich geht es diesmal am 2. Mai gegen Arka, was aufgrund der Fanfreundschaft natürlich ein ganz besonderes Spiel für die Kolejorz werden wird. Auch heute sind Fahnen von Arka und Cracovia am Zaun zu sehen. Von Legia dagegen durfte man auf eine kleine Pyroeinlage hoffen.

Während ein Intro auf beiden Seiten ausbleibt, geben beide Kurven von Beginn an richtig Gas und es entsteht eben diese Atmosphäre, für die ich Polen so liebe. Beide Kurven zeigen sich geschlossen, angepeitscht von mehreren Capos. Aus dem Unterrang des Gästeblocks wird zwischendurch auch gerne mal in Richtung des benachbarten Heimbereichs gepöbelt, was dort wiederrum gerne beantwortet wird. Es mischen sich die Gesänge von Legia mit Pfeifkonzerten der Heimfans, die heute wohl meine verlässlichste Quelle für das Vorgehen auf dem Spielfeld sind, da die Augen einfach nicht von den Kurven weichen wollen. Bei den Kolejorz ist in Halbzeit eins auch eine ordentlich Hüpfeinlage über alle drei Ränge zu bestaunen, die vor Jahren schon Manchester City so beindruckte, dass man dort mit let's all do the Poznań nacheifert. Das hat wohl auch die Polen nachhaltig so stolz gemacht, dass ein Stadionbesuch in Poznań heute noch mit dieser Geschichte beworben wird. Aber wer soll es ihnen verdenken, das sieht auch einfach verdammt geil aus!

Wie im Hinspiel geht es auch heute torlos in die Pause. Während viele sich der Verpflegung windmen, plagen ein paar Cheerleaderinnen wohl andere Sorgen, denn der einzige Ausgang aus dem Innenraum befindet sich direkt unterhalb des Gästeblocks. Es dauert eine ganze Weile, bis die Gäste scheinbar das Interesse an der Truppe verlieren und sich in Gespräche vertiefen. Die Cheerleader scheinen ihre Chance zu wittern und stürmen plötzlich wie von einer Wespe gestochen aus dem Stadion - zu schnell für die Legia-Fans, um darauf noch zu reagieren und so bleiben einige enttäuschte Mienen zurück.

Im zweiten Durchgang geht es für mich rüber zur Heimkurve, wo einem aus kurzer Entfernung diese imense Lautstärke erst richtig bewusst wird. Von Legia ist hier drüben fast nichts mehr zu hören. Im Gästeblock sind inzwischen Fahnen verteilt worden und mir wird klar, dass ich wohl mal wieder die falsche Taktik gewählt habe - jetzt ist es aber eh zu spät, denn die Ordner achten peinlichst genau darauf, dass keiner während der Partie vor den Werbebanden spazieren geht. Während irgendwann langsam eine Blockfahne mit dem Legia-Wappen ausgerollt wird und es somit nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die ersten Fackeln entzündet werden, tut sich plötzlich etwas auf dem Rasen und wenig später ist die gesamte blau-weiße Kurve in Ekstase. Da ist er endlich, der heiß ersehnte Führungstreffer für die Kolejorz! Der Blick wandert auf die Anzeigentafel - 82. Minute! 8 Minuten, das sollte doch zu halten sein! Das versprach heute noch ein guter Abend im Pub zu werden...

Im Gästeblock lässt man sich davon nicht beeindrucken und zieht weiter sein Ding durch. Hoch mit der Blockfahne und unter Einsatz der Fahnen erleuchten wenig später etliche Fackeln den Block. Während ich diesen Anblick noch genieße, ertönt nun frenetischer Jubel auf der anderen Seite - Ausgleich! Das gibt es doch nicht! Bei umgekehrtem Spielverlauf hatte Legia im Hinspiel nach einem Ausgleich der Kolejorz in der 90. Minute per Elfmeter wenige Sekunden später den Siegtreffer markiere können und den kurzen Freundentaumel im Gästeblock jeh beendet. Die letzten Minuten vergehen dann irgendwie wie im Film und es kommt, wie es kommen musste: In der 93. Minute fällt auch das zweite Tor für Legia. Einer der Rostocker Autobesatzung, die eigentlich hatte fahren wollen, schrieb mir nach Abpfiff nur völlig fassungslos... Wie?! Die haben verloren?! Die haben doch grade noch geführt?!

Wie bitter muss es sein, gegen den Erzrivalen zwei Mal in der Saison in letzter Sekunde zu verlieren? Während die Gäste ihre Mannschaft gebührend feiern, leert sich das Stadion recht schnell und auch ich mach mich auf den Weg zur Bahn. Am durch die Polizei jetzt umstellten Ausgang haben sich einige Heimfans eingefunden, um in Richtung Gästeblock ihrem Ärger Luft zu machen.
Ich treffe mich noch mit einem meiner polnischen Freunde, der eine Karte für das Spiel ergattern konnte und wir machen uns auf den Weg zum Pub, wo wir die anderen wieder treffen. Eine verdammt komische Situation, denn die Stimmung war aufgrund der Tatsache, das Spiel im Netz verfolgen zu müssen, vorher schon etwas angespannt und nach diesem Ergebnis ist Kurwa so ziemlich jedes zweite Wort, das fällt. Dennoch verbringen wir die Stunden bis zur Abfahrt meines Nachtbusses sinnvoll mit einigen hopfenhaltigen Kaltgetränken. Wären bei einem Sieg die Straßen vermutlich noch voller feiernder Fans gewesen, ist die Stadt heute Abend beinahe ausgestorben.
Für mich heißt es dann kurz nach 2 breit machen im Bus und endlich etwas Schlaf finden. Grade eingeschlafen, weckt mich auch schon der Fahrgast gegenüber - wir sind in Berlin.. Kurwa! Nun heißt es irgendwie den Tag zu überstehen und die Quittung für dieses - trotz des bescheidenen Ergebnisses - geile Wochenende zu bezahlen.