Berichte

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Nachdem der Abend in Kraków in Begleitung zweier Ukrainer und einer Weißrussin noch etwas ausgeartet ist, geht es für uns erst Mittags mit dem Bus weiter nach Kielce. Die Fahrt wurde dankbar für noch ein wenig Schlaf genutzt und bei unserer Ankunft in Kielce dauerte es noch ein paar Minuten, bis wir uns immer noch ziemlich verkatert auf die Suche nach Schließfächern am Bahnhof begeben. Viele waren es nicht, aber für 12 Złoty können wir unser Gepäck einlagern und uns auf Nahrungssuche in der Innenstadt begeben. In Kielce scheint sich das dann doch etwas komplizierter zu gestalten als ursprünlich gedacht, denn statt Mittag verkauft man hier an jeder Ecke Eis. Eines dieser Eiscafes hatte dann aber auch noch eine Mittagskarte und so geht es eine Stunde vor Anpfiff und wieder einigermaßen fit zum Stadion.

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In der Stadt selbst haben wir glorreiche 9 Fans gezählt, doch je dichter wir dem Stadion kommen, desto mehr gelb-rote Trikots kreuzen unseren Weg. Die unerwartet lange Schlage vor dem Tickethäuschen konnten wir glücklicherweise mit einer spontanen zweiten Akkreditierung umgehen, sodass wir wenig später die Hütte betreten können.
Die Heimkurve ist bereits gut beflaggt und wenig später trudeln auch einige Gästefans ein, die ebenfalls die eher ungewöhnlichen Farben gelb und rot tragen.

Das folgende Bild mag für uns Deutsche wohl etwas skuril wirken, denn die Mannschaften laufen heute nicht mit Einlaufkindern, sondern mit Soldaten der polnischen Armee auf. Dazu tragen alle einen rot-weißen Polska-Schal und vor der Partie wird zur Nationalhymne salutiert. Auch im VIP-Bereich sind Militärvertreter anwesend, die besonders im Interesse der übrigen Fotografen stehen. Gefeiert wird hier, wie in allen anderen Ekstraklasa-Partien an diesem Wochenende, der 15. August als Święto Wojska Polskiego (Tag der Polnischen Armee). 1920 hatte die polnische Armee an diesem Tag die bolschewistischen Angreifer vor Warschau überraschend geschlagen und damit die Wende im polnisch-sowjetischen Krieg einleiten. Über das ungewohnte Geschehen beim Einlaufen der Mannschaften hab ich dann glatt das Kassenrollen-Intro von Korona Kielce verpasst.

Auf dem Platz spielen die Gäste munter nach vorne und können sich bereits in der 6. Minute mit dem ersten Treffer belohnen. Die Stimmung im Gästeblock ist anschließend natürlich ausgelassen, doch auch die Heimkurve lässt sich nicht schocken und treibt ihre Mannschaft nach vorne. Obwohl sich das Spielgeschehen zumeist in der Hälfte der Gäste abspielt, kommt auch Korona zu gelegentlichen Torchancen und kann etwa eine Viertelstunde später ausgleichen. Damit sich der Torhüter der Gäste nicht zu sehr langweilt, wird er derweil von der Heimkurve mit immer neuen Kassenrollen in seinem Strafraum beschäftigt, wogegen auch seine Beschwerden gegenüber den Ordnern und dem Schiedsrichter nichts nützen.

Im zweiten Durchgang scheint sich das Geschehen zu wiederholen, denn auch diesmal lässt das erste Tor der Gäste nicht lange auf sich warten und erneut gleicht Korona wenig später aus. Während die Heimkurve auf den Rängen klar den Ton angibt, lassen sich die mitgereisten Fans aus Białystok nicht unterkriegen und ziehen ihr Ding weiter durch. Gegen Ende der Partie verlagert man sich dann aber immer häufiger lieber auf das Pöbeln gegenüber der angrenzenden Heimbereiche, die gerne darauf eingehen. In den letzten Zügen der Partie wuselt der Ball dann noch einmal durch den Korona-Strafraum und kullert irgendwie über die Linie. Ziemlich bitter, da es sich scheinbar um ein Eigentor handelte. Im Gästeblock feiert man anschließend noch ausgelassen die Mannschaft, die noch den einen oder anderen Gesang mitsingt.

Nach dem Spiel schlagen müssen wir noch etwas Zeit totschlagen, bis unser Nachtzug gen Szczecin abfährt. Kultureller Höhepunkt von Kielce war dann irgendein Konzert im Hinterhof einer Gaststätte, wobei die Band an eine polnische Kelly Family erinnerte, sowie eine ziemlich coole Rockabilly-Kneipe mit ziemlich guten Burgern. Kielce fällt wohl eher in die Kategorie ganz nett für ein paar Stunden, aber da muss man wohl nicht unbedingt nochmal hin.