Berichte

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So genau kann ich eigentlich gar nicht erklären, was mich zu dem Trip dieses Wochenendes getrieben hat. Das letzte Wochenende in Kraków ging einfach viel zu schnell vorbei, die Auswärtsfahrt nach Würzburg sollte auch nicht angetreten werden und Sonntag wollte ich stattdessen den Amas einen Besuch abstatten. Das sollte der einzige Programmpunkt dieses Wochenendes sein? So nahm die Idee, dieses Wochenende einem Besuch bei Arka zu widmen, Gestalt an und es fand sich tatsächlich spontan auch noch ein Verrückter, der mich begleiten wollte.
Am Samstag morgen ging es für uns bereits gegen 4 Uhr in Rostock los, um den ersten Streckenabschnitt bis Szczecin mit dem Auto zu meistern, bevor es von dort mit dem TLK weitergehen sollte. Geplan war, auf einem der 24h-bewachten Parkplätze zu parken, der leider ein ganzes Stück vom Bahnhof weg liegt - natürlich hat die telefonische Reservierung nicht so wirklich funktioniert und so dauert es länger als gedacht, bis wir endlich Richtung Bahnhof aufbrechen können. Zu Fuß und mit etwas Straßenbahnhopping erreichen wir irgendwie noch 2 Minuten vor Abfahrt unseres Zuges den Bahnhof, nur um festzustellen, dass die Fans von Pogoń offensichtlich das gleiche Verkehrsmittel wie wir gewählt haben. Die Polizei hat die gesamten vorderen Wagons abgesperrt und so dürfen wir noch einmal die Beine in die Hand nehmen, um im Zugteil für Normalreisende einzusteigen.

Ansonsten verläuft die Zugfahrt ohne besondere Vorkommnisse und so erreichen wir Mittags Gdynia. Während wir ohne Probleme die Polizeisperre passieren, sammeln sich die Pogoń-Fans erstmal ziemlich gesittet auf dem Bahnsteig. Erst als alle anderen Reisenden weg sind, geht es für den etwa 200-Personen-Mob begleitet von Polizisten mit Schild, Gummipistole und Reizgas durch den Bahnhof. Während auf dem Bahnsteig noch alles ruhig gewesen ist, singt sich der Mob jetzt auf dem etwa 40-minütigen Fußmarsch zum Stadion schon einmal warm. Etwas verwundert hat die Aktion schon, da offensichtlich auf der gegenüberliegenden Bahnhofsseite Shuttle-Busse bereitstanden.

Unweit des Bahnhofs finden wir einen kleinen Arka-Fanshop, wo wir für 30 Złoty Tickets für die Haupttribüne bekommen. Für uns gilt es nun Sachen einzuschließen, noch etwas zu essen zu finden und schließĺich ebenfalls zum Stadion aufzubrechen. An den Schließfächern treffen wir noch einen anderen deutschen Groundhopper, der sich unserer kleinen Reisegruppe anschließt.

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Nachdem wir uns mit einer Portion polnischer Ente mit Apfel und ein paar Pierogi vollgefuttert haben, nehmen wir am Ende doch ein Taxi zum Stadion. Dieses sieht von außen gar nicht so neu aus, wie der komplette Umbau 2011 erwarten lässt. Vermutlicht liegt das an den freistehenden Flutlichtmasten, die für neumodische Fußballtempel nicht unbedingt üblich sind. Auf jeden Fall allemal hübscher als der Bernstein von Lechia. Der Blick ins Innere offenbart dann doch ein kleines Manko, denn diese bunten Sitzschalen verursachen einfach Augenkrebs - da erkennt man selbst im Stadion kaum, wie voll die Hütte eigentlich ist.

Auf dem Platz versucht Arka das Spiel zu kontrollieren und lässt hinten kaum etwas zu. Das macht etwas Hoffnung, es könnte heute für den ebenfalls mit Lech befreundeten Club etwas zu holen sein. Schließlich ist Arka diese Saison noch ungeschlagen, während Pogoń einen holprigen Saisonstart hingelegt hat. Kurz vor der Pause sind es trotzdem die Gäste, die jubeln dürfen, als nach einem Foul der Elfmeterpfiff ertönt und ihnen die Führung bescheert.

In den Kurven gibt es heute keine besonderen Vorkommnisse, aber dank guter Stadionakustik lässt sich der Support auf beiden Seiten sehen. Im Gästeblock scheint heute wirklich jeder mitzusingen und da im Zug schon ein paar Bierchen geflossen sind, ist auch nach kurzer Zeit der gesamte Block oberkörperfrei unterwegs. Bei Arka wirkt die Kurve lückenhaft, aber das kann auch an bereits erwähnten blau-gelben Sitzschalen liegen. Gelegentlich lassen sich auch hier die umliegenden Tribünen zumindest zum mitklatschen hinreißen.

Mein Highlight der Halbzeitpause ist dann Perkele mit Yellow and Blue, was sich zwar eigentlich auf deren Heimat Schweden bezieht, aber auch wunderbar zu Arka passt.
Im zweiten Durchgang arbeitet Arka weiter daran, sich selbst abzuschießen. Bereits nach 5 Minuten zappelt der Ball erneut im Arka-Tor - diesmal durch ein Eigentor. Wenig später entscheidet ein weiterer Elfmeter die Partie endgültig. Nicht nur im Heimbereich verlassen heute enttäuschte Fans früher das Stadion, auch der Gästeblock leert sich in der 75. Minute plötzlich fast vollständig. So wirklich erschließt es sich uns nicht, da uns keine frühere sinnvolle Zugverbindung zurück nach Szczecin bekannt ist und der Spielverlauf nun wirklich keinen Anlass zur vorzeitigen Rückreise bietet.

Nach dem Spiel geht es mit der S-Bahn zurück zum Bahnhof, wo etwa zwei Stunden später unser Zug zurück fahren soll. Weder am Bahnhof, noch im Zug ist noch irgendetwas von Pogoń zu sehen. Zunächst geht es mit dem Regionalzug bis Lębork, von wo der TLK bis Szczecin weiterfährt. Diesmal ist er völlig leer und wir können uns im Abteil lang machen. Erst nach zwei Stunden weckt mich der Lärm draußen auf dem Gang und wenig später stürmt Reisegruppe dick und dumm ins Abteil und schert sich einen Dreck darum, ob hier jemand schlafen will. Aufgeregt wird irgendetwas von kibice und policia gefaselt. Scheinbar waren die Pogoń-Fans auf anderem Wege bis Kołobrzeg gekommen und sollten die letzten 2 Stunden wieder in unserem Zug mitfahren.
Bei Ankunft in Szczecin sind wir dann doch noch als Deutsche aufgefallen und die folgenden Szenen lassen einen einfach nur noch am gesunden Menschenverstand zweifeln. Einer der Pogoń-Fans erklärt uns stolz, Rudolf Heß sei der beste Mann der Waffen-SS und grüßt dazu einmal ab. Wir bleiben etwas sprachlos zurück und mehr als lächeln und winken fällt uns dazu auch nicht ein. Wir sind schließlich nur froh, als wir ins Taxi steigen und das Auto wieder einsammeln können, um die letzten Kilometer nach Hause hinter uns zu bringen.