Berichte

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bleib ein bisschen stehen - ruh dich aus für eine Weile, denn es ist grad so schön... Diese Zeilen von Dritte Wahl beschreiben wohl recht treffend den ersten Eindruck, den Albanien auf uns machte. Nach einem Besuch in Mazedonien sollte es für uns nur ein kurzer Abstecher über die Grenze werden, doch dieser glich irgendwie eher einer Zeitreise. Am südlichen Ende des Ohrid-Sees überquerten wir einen kleinen Grenzübergang und folgten der Landstraße in die nächste Ortschaft. Der Gegenverkehr auf der mit Schlaglöchern übersähten Straße beschränkte sich zunächst auf einen Opi, der auf einem Esel daher geritten kam. Kurz darauf erspähten wir eine Kuhherde, welche gerade auf einen Feldweg getrieben wurden - eben jenen Feldweg, den das Navi uns als kürzeste Route angepriesen hatte.
Nachdem die Landschaft Mazedoniens - abgesehen vom Canyon am Lake Matka - hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben war, überzeugte Albanien auf der Fahrt nach Korça durch seine Einfachheit. Wann sieht man schon mal Pferde- und Eselkarren auf dem Standstreifen fahren und Kühe auf der Straße stehen? Zudem werden Berge von Zwiebeln und Äpfeln am Straßenrand verkauft. Korça selbst dagegen ist nicht besonders groß und ebenso wenig spektakulär. Das Stadion dagegen zählt wohl zu den modernsten, die das Land zu bieten hat.

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Das Stadion grenzt direkt an das nur etwa 2km große Stadtzentrum und verfügt über einen Parkplatz, der wohl normal Spielern und VIPs vorbehalten ist. Als wir auf Englisch den Ordnern erklären, wir wollten zum Spiel und fragten, wo wir denn parken könnten, sehen diese sich kurz an und geben dem ausländischen Besuch den Weg auf den Parkplatz frei - läuft! Nachdem wir uns mit Bargeld eingedeckt und ein Stück Kuchen mit frisch gepresstem Apfelsaft genossen haben, geht es zurück zur Haupttribüne, wo für 300 Lek (~2,23€) Tickets für die in der Sonne gelegene Gegentribüne erstanden werden. Block A und B scheint hier wohl die Haupttribüne zu sein, Block D die Kurve und Block C die Gegentribüne, welche wie sich rausstellte gleichzeitig als Fanblock dient. Auf unserem Weg zur Gegentribüne begegnete uns erneut ein Pferdekarren, welcher vom Wagenlenker gerade zwischen zwei Autos rückwärts eingeparkt wurde... Einfach ein Bild für die Götter!

Nach einer ruppigen Polizeikontrolle am Einlass dürfen wir das Schmuckstück dann unter die Lupe nehmen. Mit den vier Flutlichtmasten und der blauen Laufbahn ist die Hütte insgesamt nach meinem Geschmack. Dazu gibt es eine kleine überdachte Haupttribüne, während der Rest des Stadions offen ist. Für eines der modernsten Stadien des Landes dann aber doch bezeichnend, dass es nicht mal eine Toilette - bzw. ein Loch im Boden - gibt.

Bereits auf unserer Suche nach einem Geldautomat hatten wir die etwa 30 mitgereisten Gästefans in einer Kneipe unweit des Stadions erspäht. Jetzt stehen sie von einigen Polizisten umringt im Gästeblock und scheinen sich vom letzten Tabellenplatz ihrer Mannschaft auch durch den Besuch beim Tabellenführer nicht einschüchtern zu lassen. Gut gelaut wurde geklatscht, gesungen und auch mal die grün-gelben Schals präsentiert. In der Heimkurve neben uns dagegen bleibt es zu Beginn der Partie ruhig, obwohl alle stehen und der Zaun beflaggt ist.

Auf dem Rasen tut sich der Meister schwer, was auf der Tribüne immer wieder durch lautstarkes Schimpfen kommentiert wird. Den Hausherren gelingt dann aber doch irgendwann der erste Treffer, was außer einem kurzen Jubel aber keine weitere Regung im Fanblock auslöst. Nach einer guten halben Stunde dann aber die Überraschung der Partie, denn nach einem Freistoß Höhe der Mittellinie landet der Ball vor dem Kasten von Skënderbeu und wird sehenswert per Kopf hinein befördert. Ausgleich für das Kellerkind, was den Gästeblock in völlige Extase versetzt und auf den übrigen Tribünen für Applaus sorgt. Der Meister lässt allerdings nichts anbrennen und schiebt 5 Minuten vor dem Pausenpfiff den erneuten Führungstreffer nach.

Indess verteilt ein älterer Herr aus seiner Sporttasche die für den Balkan typischen gerösteten Sonnenblumenkerne - diesmal ungesalzen. Die Kerne werden in kleinen Papiertütchen, die wohl im letzten Leben die Matheklausur des Enkels dargestellt hatten, quer über die Tribüne geworfen und die Münzen fliegen dann zurück. Eine Tüte landet auch bei uns und ein Zurückwerfen nützt nichts, wir sind wohl so auffällig, dass die Tüte Sonnenblumenkerne heute aufs Haus geht.

Im zweiten Durchgang hat man in der Heimkurve eine Trommel gefunden, auf welcher tatsächlich auch ein oder zweimal kurz getrommelt wird. Für einen echten Support lässt sich aber keiner Hinreißen und selbst mein Vater, der sein ersten Stadionbesuch außerhalb von Deutschland verzeichnet, zeigt sich von der Truppe enttäuscht. Mein Erkundingungsversuch bezüglich eines Boykotts beim Kamerateam nach dem Spiel führte lediglich zu der Aussage, vielleicht seinen sie ja müde. Im Gästeblock dagegen lassen auch zwei weitere Gegentreffer keine Müdigkeit aufkommen und inzwischen springt hier alles wie wild oberkörperfrei durch den Block. Ein herrlicher Anblick, der einen das eigene Zähneklappern nach Sonnenuntergang doch beinahe vergessen lässt.

Nach der Partie geht es für uns zu unserem Apartment, welches ein Albaner mittleren Alters sowohl als Gästezimmer vermietet, als auch als Atilier benutzt. Sehr familiär und irgendwie urig. Bei der späteren Verköstigung einheimischer Spezialitäten im Zentrum geht das Essen in Ordnung, das Bier dagegen überzeugt uns nicht. Insgesamt aber trotzdem ein gelungener Ausflug und wie immer viel zu kurz um dem Land gerecht zu werden.