Berichte

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Manchmal frage ich mich, was wäre wohl passiert, hätte die Mitgliederversammlung gegen die Ausgliederung gestimmt. Wäre Hansa tatsächlich insolvent gewesen? Hätte es Hansa dann nicht mehr gegeben? Hätte ein Investor wie in Leipzig die Markenrechte gekauft und unsere Kogge in ein Werbeprodukt verwandelt? Oder hätten wir schlicht und einfach noch einmal ganz von vorne, ganz unten angefangen? Welcher Fußballromantiker träumt nicht davon, dem Kommerz zu entkommen und den eigenen Verein von den Mitgliedern geführt neu erblühen zu sehen?
Irgendwo in Nowa Huta, einem Stadtteil von Kraków, ist diese Romantik Realität geworden. Nachdem Hutnik Kraków 2010 Insolvenz anmelden musste, haben die Fans den Verein neu gegründet. Statt Ekstraklasa und Europa spielt Hutnik nun fünftklassig im eigenen alten Stadion und wird sicherlich früher oder später wieder in höhere Ligen vorstoßen.

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Für mich geht es Sonntag Mittag zunächst zum Bahnhof, da online einfach keine Verbindung raus nach Nowa Huta zu finden war. Die Dame in der Touristinformation sieht mich dann doch etwas ratlos an, als ich ihr erkläre, dass dort heute ein Fußballspiel stattfindet und ich irgendwie da hin kommen müsse. Schließlich hat sie dann doch die passende Bahn gefunden und so geht es wenig später mit der Linie 10 in den Nord-Osten der Stadt. Die hübsche Altstadt weicht nun der Platte und so ganz sicher bin ich mir noch nicht, was mich gleich erwarten wird.
Etwas später stehe ich mitten im Nirgendwo und bin noch nicht ganz sicher, ob ich hier irgendwo ein Stadion finden werde. Ein paar Meter weiter tauchen dann aber zwischen Bäumen und Sträuchern die ersten Eingangstore auf und lassen das Herz gleich ein wenig höher schlagen. Durch das Laub ist dahinter auch die kleine überdachte Haupttribüne erkennbar und so steuer ich eben jene an, in der Hoffnung hier überhaupt auf Menschen zu stoßen. Vor dem Eingang der Supporter zeugt ein in blasser blauer Schrift geschriebenes Welcome 1. FC Magdeburg von der Freundschaft zu unserer Drittliga-Konkurrenz.

Mich zieht es nun an den einzigen Ort, an dem sich die verbliebene Stunde bis zum Anpfiff aushalten lässt, ohne dabei gleich zu erfrieren - den Fanshop. Als unbekanntes Gesicht muss ich wohl etwas aufgefallen sein und so dauerte es nicht lange, bis ich über meine Herkunft Rede und Antwort stehen darf und wir schließlich noch ein wenig über die dritte Liga, den 1. FC Magdeburg und natürlich Hansa quatschen.

Schließlich ist es Zeit für den eigentlichen Grund meines Besuchs und so geht es runter in den Innenraum, um trotz des inzwischen wieder eingesetzten Regens noch ein paar Bilder vom Spiel zu machen. Inzwischen haben sich auch auf der ebenfalls überdachten Gegentribüne ein paar Zuschauer eingefunden und nach kaum 4 Minuten leitet ein Foulelfmeter das heutige Torfestival ein. Sosnowianka ist als Tabellenletzter angereist und sieht auch heute absolut keinen Stich. Der arme Torwart muss im ersten Durchgang ganze 8 Mal hinter sich greifen und bekommt auch nur selten mal eine Pause, da die gesamte Partie sich eigentlich nur in einer Hälfte abspielt.

Nach dem 5:0 und mit inzwischen ziemlich kalten Füßen beschließe ich, nach dem 6:0 auf die Tribüne zu wechseln und dem verlockend rauchenden Grill einen Besuch abzustatten. Bei der heutigen Torfrequenz hab ich die Tribüne tatsächlich erst mit dem 8:0 erreicht. Was für ein verrücktes Spiel - da fragt man sich schon, warum es im Fußball eigentlich kein Gnadenende für eine solche Partie gibt, wie bei einer Differenz von 10 Toren ist Feierabend oder so ähnlich.

So wirklich weiß ich nicht, wie ich die zweite Halbzeit überstanden habe. Während auf dem Platz weiter fleißig Tore fallen, fährt eine eisige Windböhe nach der anderen durch meine dünne Sommerjacke. Auf der Tribüne wird nun schon für die Gäste applaudiert, wenn der Torwart mal einen Ball runter pflückt. Die Gegentribüne lässt zudem hin und wieder ein lautes H-K-S durchs Stadion schallen.
Mit dem heutigen Spiel hat Hutnik sicherlich nicht nur einen weiteren kleinen Schritt für die Rückkehr in die Liga III getan, sondern auch einige Rekorde gebrochen, wie den höchsten Sieg der Vereinsgeschichte oder die meisten Tore eines Spielers in einem Spiel, welchen nun Krzysztof Świątek mit 6 Treffern hält.

Für mich geht es mit der Bahn zurück in die Stadt, wo Abends noch ein Konzert von the Uppertones, sowie ein Kraków-würdiger Abend in der zuletzt ausgekundschafteten Karaoke-Bar anstehen, bevor ich am nächsten Morgen leicht verkatert per MFG die Heimreise antrete.