Berichte

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Schon eine ganze Weile haben wir einen Trip nach weit weit weg geplant und schließlich wurde es im letzten Herbst konkret - wir hatten billige Flüge nach Miami gefunden und somit stand fest, der erste Länderpunkt außerhalb von Europa sollte in den USA eingefahren werden. Zudem hatten wir natürlich auch absolut nichts gegen eine kleine Zeitreise in den Sommer einzuwenden, zumal der letzte Sommer hier an der Küste ziemlich ins Wasser gefallen war. Problematisch ist zu dieser Jahreszeit allerdings auch, dass viele potentielle Reiseziele einfach in der Winterpause stecken und so war es Glück für uns, mit dem Florida Cup ein paar nette Spiele zur Auswahl zu haben.
Am Spieltag geht es für uns zunächst in Ford Lauderdale zum Strand, um das erste Mal in diesem Jahr baden zu gehen. Zudem gibt es einen kleinen Snack zum Mittag, wobei der erste Fan im Legia-Trikot erspäht wird. Etwas irritiert sind wir schon, ob da ein einzelner Pole den Weg gemacht hat oder ob uns doch mehr erwarten würde, als angenommen.

Die Fahrt zum Stadion geht vorbei an weniger touristischen Ecken, wo wir uns schon im Hellen dachten, da wollen wir nicht unbedingt im dunklen vorbei spazieren. Am Stadion selbst ist dann ziemlich viel Betrieb und wir dürfen erstmal schlappe 10 Dollar fürs Parken löhnen - bei 32 Dollar pro Ticket hat man schließlich keine Wahl mehr und diese Masche wird uns auch die nächsten Tage begleiten.

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Dafür leuchtet der gesamte Parkplatz in weiß-roten und gelben Trikots, da offensichtlich beide Vereine eine ordentliche Fanbasis anzulocken scheinen. Wie wir wenig später feststellen dürfen, handelt es sich hierbei um Einwanderer aus Polen bzw. Equador, sodass man heute wohl eher von einem Länderspiel sprechen darf. Die jeweiligen Communities nutzen das Spiel als willkommenen Anlass, sich zu treffen. Die Polen proben noch einen kleinen Fanmarsch über den Parkplatz bis zum Stadioneingang, bevor sich die Menge in zwei Schlangen getrennt nach Männlein und Weiblein zur Sicherheitskontrolle aufstellt. Natürlich dürfen Spiegelreflexkameras mal wieder nicht mit rein, weshalb es diesmal leider nur Handy-Fotos gibt.

Der etwas verschobene Anpfiff genügt trotzdem nicht, um alle Zuschauer pünktlich rein zu lassen. Trotzdem geht es vor allem in der equadorianischen Kurve schon ordentlich zur Sache. Mit durchgängigen Trommeln und Gesang, einem ordentlich beflaggten Zaun und etlichen Fähnchen im Block wird hier südamerikanisches Flair erzeugt. Immer wieder wird auch mal etwas gelber Rauch eingesetzt, was die Security bald auch nicht mehr stört - die wird nämlich einfach zum lächeln gezwungen, indem mit ihnen Fotos gemacht werden.

Auf dem Rasen geht die erste Halbzeit klar an Legia, welche sich mit zwei frühen Toren die Führung zur Pause erspielen. Die Halbzeitpause nutzen wir schließlich, um im bunten Treiben hinter der Tribüne etwas Essbares zu ergattern. Fündig werden wir an einem Grill mit Fleischspießen, die nachträglich noch schön mit BBQ-Soße bestrichen werden. Für 9$ das Stück nicht gerade billig, aber super lecker.

Für die zweite Halbzeit suchen wir uns ein Plätzchen im polnischen Sektor, wo offensichtlich die Männer beim Bier den Fußball genießen und die Damen samt Kinder die Gesellschaft der Communitiy. Immer mal wieder tönen laute Legia Warszawa-Rufe durch das Stadion, aber wirklich Stimmung will hier nicht aufkommen. Irgendwie zeigen sich in zwei Blöcken eben zwei völlig unterschiedliche Kulturen - die Südamerikaner mit ihren Trommeln und einer einladenden, ansteckenden Feierstimmung auf der einen, die rauen und harten Polen, von denen man lieber einen respektvollen Abstand hält, auf der anderen Seite. Vor Jahren hatte ich mal aus dem Innenraum heraus am Gästeblock bei Legia vorsichtig nach ein paar Aufklebern gefragt - damals war ich wirklich froh um den Zaun und hab es auch schnell aufgegeben. Die bösen Blicke kommen mir heute irgendwie wieder in den Sinn.

Einfach schön ist dagegen zu beobachten, wie glücklich die Kids mit den Polen-Fahnen durch den Block springen und wie auch die Damenwelt beim inzwischen nicht mehr so glücklichen Spiel für Legia mitfiebert - erfolglos, denn am Ende kann Barcelona das Spiel drehen. Ein kleines Detail erinnert einen aber deutlich daran, dass wir hier nicht in Polen sind - ich hab in 90 Minuten nicht einmal das Wort Kurwa vernommen.
Nach dem Spiel feiern die Equadorianer auf dem Parkplatz weiter und auch für die Polen wird es sicherlich im ein oder anderen Garten bei Bier und BBQ noch rund gehen, so zumindest die Ankündigung unseres polnischen Parkplatz-Nachbarn, der uns bereits vor der Partie freudig seinen Kumpels vorgestellt hatte. Für uns geht es heute noch über den Highway Richtung Golfküste, wo wir mit unserem Campervan irgendwo bei einem Cracker Barrel auf dem Parkplatz nächtigen werden.